Sendung vom Sa., 16.7.2022 17:05 Uhr, SWR2 Zeitgenossen, SWR2

Ulrike Rosenbach war eine der ersten, die Anfang der 70er-Jahre mit dem damals neuen Medium „Video" künstlerisch arbeitete. Sie beschäftigte sich vor allem mit dem Thema weibliche Identität und der traditionellen Darstellung von Frauen in der Kunst. So wie in dem Video“"Glauben Sie nicht, dass ich eine Amazone bin“ (1975), in dem sie mit Pfeil und Bogen auf ein Madonnenbild schießt. Als Meisterschülerin von Joseph Beuys kam sie früh in Kontakt mit Happening-Kunst. Ulrike Rosenbach versteht sich als politische Künstlerin und setzt sich bis heute aktiv für die Gleichberechtigung von Künstlerinnen ein.

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Interview mit Ulrike Rosenbach und Hatje Cantz

Die Künstlerin Ulrike Rosenbach, geboren 1943 in Salzdetfurth, ist spezialisiert auf Videoinstallationen und Performances. Sie studierte von 1962 bis 1969 an der Düsseldorfer Kunstakademie, unter anderem als Meisterschülerin von Joseph Beuys. Ihr Schaffen lässt sich als prozesshaft und medienübergreifend charakterisieren. Bereits in frühen Arbeiten brach sie mit herkömmlichen Wahrnehmungsmustern durch den Einsatz von Live-Kameras bei Performances. In ihren Werken thematisiert sie weibliche Identität, hinterfragt Klischees und erkundet spirituelle Zusammenhänge, welche die Kunst als Heilritual zur Wiederherstellung der Verbindung zwischen Mensch und Natur begreifbar werden lässt.

Im Interview mit Hatje Cantz spricht Ulrike Rosenbach über ihren Zugang zu Caspar David Friedrich und die Erkenntnisse aus Friedrichs Werken für ihre eigenen künstlerischen Arbeiten.

Hatje Cantz: Haben Sie in Ihrem Leben einen ganz persönlichen Friedrich-Moment erlebt, von dem Sie uns erzählen mögen?

Ulrike Rosenbach: In meinem Werk hat das Thema Natur einen gewichtigen Stellenwert. In der frühen Arbeit Die Einsame Spaziergängerin von 1979 folgte ich einer Einladung des Direktors Zdenek Felix am Museum Folkwang Essen zu einem Werk meines Interesses eine Performanceinstallation zu produzieren und zu zeigen. Die Gemälde von Caspar David Friedrich beeindrucken mit ihrer intensiven Ausstrahlung von Stille, ihrer kontemplativen Stimmung. Die Konzeption der Aktion war es, den eben beschriebenen Eindruck mit meinen Medien darzustellen.

 
 
 
Hatje Cantz: Können Sie uns sagen, welche Elemente aus Friedrichs Werk Sie in Ihren eigenen Kunstwerken aufgegriffen haben und welche Rolle diese in Ihrer künstlerischen Praxis spielen?

Ulrike Rosenbach: Der Mondbogen, der die Komposition des Bildes beherrscht, hatte mein Interesse. Es ist ein wunderbares Bild mystischer Naturmalerei. Die intensive Stimmung hat mich zu meiner Medien-Performance mit Installation inspiriert, das Bild wurde die Grundlage und der „Begehungsplan“ für den Bewegungsablauf in der Aktion.

 
 
 
Hatje Cantz: Warum ist Friedrichs Werk Ihrer Meinung nach heutzutage relevant?

Ulrike Rosenbach: Meiner Meinung nach zeigt die Bedeutsamkeit der poetischen Kontemplation in den Werken von Caspar David Friedrich relevant die Verbindung von Mensch und Natur auf. Natur heute ist nicht nur ein ökologisches und damit politisches Problem, sondern haben Mensch und Natur auch eine grundsätzliche geistige Verbindung - zwischen uns und der Natur muss eine seelisch geistige Verbindung da sein, die beide in lebendiger Interaktivität verbindet.

Zum Interview auf www.hatjecantz.de