Tanz um einen Baum

Aktionselemente: 


1. Der Ort: ein Park, an einem Hügel, mit Sicht auf die Stadt. Ein Baum.

2. Die Zeit: kurz vor Sonnenuntergang, 17.00-17.45 h.

3. Ich habe den Baum zwei Wochen beobachtet.

Wenn die Sonne untergeht, fällt ihr Schein über ihn in die Fenster der Häuser, der Wolkenkratzer. Das Licht spiegelt sich rot in den Fensterscheiben.
 Ich habe ein Videokabel sechsmal um den Baumstamm gelegt und die Länge dann auseinandergerollt als Radius eines Spiralkreises genommen. Die äußere Kreislinie ist mit länglichen Spiegelscherben im Rasen markiert (Abstand 90cm). Das Videokabel ist am Baumstamm befestigt und führt dann weiter – in die eine Richtung zu einer kleinen Videomaschine mit Monitor, in die andere Richtung zu einer kleinen Videokamera, die ich während der Aktion an meinen Arm gebunden habe. 
Ich lege mich auf das Gras, den Kopf in Richtung des äußeren Kreises, und fange langsam an, mich um den Baum zu drehen. In den Händen halte ich ein Schwert. Bei jeder vollzogenen Drehung versuche ich, eines der Spiegelstücke zu zerschlagen.
 Die Kamera nimmt meine Drehung mit dem, was in meinem Sehradius ist, auf: die Landschaft, die Leute, die Spiegel, in denen sich alles und mein Gesicht spiegeln, und das Schwert, das mit der Spitze auf Landschaft und Leute zielt und dabei die Spiegel zerschlägt. Zur gleichen Zeit wird dieses Videobild auf die bereitstehenden Videomonitore übertragen. Indem ich mich um den Baum drehe, werde ich durch das Kabel, das sich um den Stamm wickelt, herangezogen. Die Sonne geht unter, und als es halb dunkel ist, schneide ich mit dem Schwert das Kabel los, das meinen Körper mit dem Baum verbunden hat.

Ulrike Rosenbach